28.04.2022
Fans

„Der Respekt ist zu spüren“

Eintracht-Mitglied Thomas Kardos lebt seit 30 Jahren in London und weiß deshalb, wie der Barcelona-Sieg auch in England Wellen schlug, wen die Bookies vorne sehen und wo vor Ort Eintracht-Feeling aufkommt.

Normalerweise muss sich Thomas Kardos mit dem Flugzeug auf den Weg machen, wenn er die SGE live im Stadion erleben will. Schon zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren hat der 49-Jährige nun das Glück, dass stattdessen die Eintracht die Reise auf sich nimmt und das Vereinsmitglied in seiner Wahlheimat besucht. Nach Chelsea und Arsenal treffen die Adlerträger am Donnerstag in der Europa League auf den nächsten Londoner Club, West Ham United, bei dem es, so ist sich Kardos sicher, „ein heißes Spiel“ geben wird.

Kleine Eintracht-Gemeinde in London

Fragt man den Wahl-Londoner, woher eigentlich seine Eintracht-Verbindung kommt, muss er nicht lange überlegen. „Ich bin Frankfurter!“ Er sei am Main aufgewachsen, da sei die Eintracht von klein auf selbstverständlich gewesen. Seit den 80ern ist der 49-Jährige regelmäßig im Stadion, viele Jahre lang hatte er eine Dauerkarte. „Ich habe also schon einiges miterlebt. Sei es das Pokalfinale 1988, bei dem ich dadurch, dass meine Familie ursprünglich aus Ungarn kommt, so stolz war, dass Detari bei uns spielte, viele Nicht-Abstiegsspiele und natürlich die Europapokalabende in ganz Europa“. Nach dem Abitur zog er nach London, doch: „Was du einmal verinnerlicht hast, das verlässt dich nicht mehr.“ Um der Eintracht weiterhin so nahe wie möglich beistehen zu können, wurde er nach seinem Umzug 1993 Mitglied. Und auch heute noch ist er ab und zu im Deutsche Bank Park vor Ort, ansonsten verfolgt er die Spiele zuverlässig vom Fernseher aus. „Mittlerweile sind wir hier eine richtige kleine Gemeinde aus Eintracht-Fans, ich bin also definitiv nicht der einzige Adlerträger in London“, verrät er.

Naja, und den Sieg über Barcelona hat wohl ganz Europa mitbekommen.

Thomas Kardos

Spätestens am Donnerstagmittag wird zu dieser „kleinen Gemeinde“ sicherlich der eine oder andere Frankfurter hinzukommen, um das Team von Oliver Glasner vor Ort zu unterstützen – auch wenn die Gegebenheiten in der Stadt anders sein werden als zuletzt, erklärt Kardos. „London ist im Gegensatz zu Barcelona eine riesengroße Stadt, ob 20.000 Frankfurter da sind, spürt man dort nicht unbedingt“, sagt er, aber fügt hinzu: „Rund ums Stadion wird man bestimmt einiges mitkriegen.“

Und auch unabhängig von der Sichtbarkeit auf den Straßen sei die Eintracht auch jetzt schon durchaus präsent in London. „Allein durch das Spiel gegen Chelsea kennen viele die Eintracht, Yeboah und Okocha haben nach ihrer Zeit in Frankfurt auch in England gespielt und wurden hier angehimmelt. Naja, und den Sieg über Barcelona hat wohl ganz Europa mitbekommen.“ – Was nicht nur positive Seiten habe. „Seit man die 25.000 Frankfurter in Barcelona gesehen hat, sind sie hier mit der Ticketvergabe sehr streng, es werden keine Tickets an Deutsche verkauft. Auch ich hatte durch meine deutsche Staatsbürgerschaft keine Chance auf ein Ticket.“ An anderen Stellen sei die Stadt aber durchaus offen für die Gäste aus Frankfurt. „Es gibt zum Beispiel einen coolen Laden im Osten Londons, nicht weit entfernt vom London Stadium, der allen Kunden 20 Prozent verspricht, die im Eintracht-Trikot kommen oder es geschafft haben, sich ein Ticket zu sichern.“

West Ham Favorit bei den Bookies

Zwar schlägt das Herz von Thomas Kardos nur für die Eintracht, der Wahl-Londoner verfolgt aber durchaus auch den englischen Fußball und weiß deshalb: „West Ham ist ein sehr traditionsreicher Verein, der ähnlich wie die Eintracht in England nicht zu den absoluten Top-Klubs zählt, von der Stimmung her aber einiges zu bieten hat.“ Vor einigen Jahren seien die „Hammers“ in das neue Olympiastadion umgezogen, spielten sehr guten Fußball und hätten auch einige starke Spieler zu bieten. Die englischen Medien und Buchmacher würden West Ham deshalb auch favorisieren. „Aber der Respekt ist durchaus zu spüren“, erklärt Kardos, „Wenn man bei Barça gewinnt, ist eben jeder vorsichtig.“

Er selbst sei sich sicher: „Wir haben eine Chance, West Ham zu schlagen. Chelsea haben wir, obwohl sie eine stärkere Mannschaft hatten, bis ins Elfmeterschießen gebracht.“ Und vielleicht klappe es ja auch noch für ihn, an ein Ticket zu kommen. Ansonsten muss es eben doch wieder das Flugzeug sein, mit dem sich Thomas Kardos auf den Weg nach Frankfurt zum Rückspiel macht.

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