12.12.2020
Fanabteilung

Die Gründung der Fanabteilung

Am 11. Dezember feierte die Fanabteilung ihren 20. Geburtstag. Ein guter Anlass um auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurückzublicken. Teil 1 der Abteilungsgeschichte.

Am 11. Dezember 2000 wurde in einer Abstimmung unter 115 Nationaltrainern der Franzose Zinedine Zidane zum zweiten Mal nach 1998 zum Weltfußballer des Jahres gekürt und der Brasilianer Pelé durch die FIFA zum Weltfußballer des Jahrhunderts gewählt. Tags drauf verlor die Eintracht mit 1:4 beim damaligen Tabellenschlusslicht VfB Stuttgart. Rund 5.700 Mitglieder zählte die heute über 90.000 Mitgliedern bestehende Eintracht, deren Präsident Peter Fischer seit Juli 2000 im Amt ist. Turbulente Zeiten hatte der Klub hinter sich – und es sollte noch einige Jahre dauern, bis die Eintracht wieder in halbwegs sicheren Gewässern schipperte. Dass die Wende zum Guten allerdings gelang, daran hat die Fan- und Förderabteilung sicherlich großen Anteil.

Die Vorgeschichte

In den 1990er Jahren entfernte sich die Eintracht schrittweise vom Fußball 2000. Sicher, der entgangene Meistertitel 1992 spielte eine Rolle. Ebenso die Heynckes-Ära, als die Uhren anders gingen und mit der Suspendierung von Gaudino, Okocha und Yeboah im Dezember 1994 einen vorläufigen negativen Höhepunkt fand. Der erste Abstieg folgte 1996. Doch stets berappelte sich der Verein. Selbst als im Dezember 1998 Trainer Horst Ehrmantraut entlassen wurde, endete die Saison mit dem neuen Coach Jörg Berger und dem unfassbaren Klassenerhalt durch Fjörtofts Treffer im Mai 1999 halbwegs versöhnlich.

Als sich die Eintracht im Sommer 1999 zu Höherem berufen fühlte, investierte sie einen Millionenkredit des Fernsehrechtevermarkters ISPR in Spieler wie Thorsten Kracht, Rolf Christel Guie Mien oder Bachirou Salou. Es folgte der Absturz in den Tabellenkeller – sportlich wie finanziell desaströs zeigte sich die Lage zum Jahreswechsel. Der Verein war durch wirtschaftliche und sportliche Krisen zerrüttet und durch interne Machtkämpfe bis an den Rand der Handlungsunfähigkeit gebracht. Bereits im Oktober 1999 war Schatzmeister Gaetano Patella zurückgetreten, der Verwaltungsrat ernannte den aus dem Nichts gekommenen Rainer Leben zu seinem Nachfolger. Es folgten weitere Rücktritte: Im Januar 2000 gab Präsident Rolf Heller seine Ämter auf und auch Vizepräsident Dr. Lämmerhirdt kündigte seinen Rücktritt an. Ebenfalls im Januar 2000 zurückgetreten war der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Ernst Maul. Schon damals versuchte eine kleine Gruppe engagierter Eintracht-Fans – darunter Guido Derckum, Andreas Klünder und Matthias Scheurer, die später zu den Gründungsvätern der Fanabteilung zählen sollten – unter dem Namen „Eintracht 2000“ auf der Mitgliederversammlung das schlingernde Schiff Eintracht Frankfurt in ruhigere Fahrwasser zu lenken.

Das entscheidende Jahr 2000

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 31. Januar 2000 eröffnete Rainer Leben den Mitgliedern, dass der Verein mit knapp 14 Millionen D-Mark verschuldet sei und kurz vor dem Konkurs stehe. Unter den gegebenen Umständen könne und werde der DFB der Eintracht keine Lizenz mehr erteilen. Er schlug eine „Strukturreform“ mit Ausgliederung der Profiabteilung und Verkauf von Anteilen an einen Investor vor. Die Mitgliederversammlung stimmte diesem Konzept zu. In der Folgezeit führte Rainer Leben nach eigener Aussage Verhandlungen mit mehreren Interessenten – die Details und insbesondere seine dabei eingenommenen Verhandlungspositionen und persönlichen Interessen blieben allerdings nebulös.

Anfang Mai 2000 musste dann auch Rainer Leben nach einer Sitzung mit dem Verwaltungsrat zurücktreten. Der Verwaltungsrat führte die Verhandlungen mit dem US-Vermarkter Octagon über den Ankauf einer 49,9-prozentigen Beteiligung an der zu gründenden Eintracht Frankfurt Fußball AG zu Ende und präsentierte die Verträge einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 28. Mai 2000 zur Abstimmung. Drei Tage später waren die Lizenzunterlagen beim DFB einzureichen. Vor die Wahl gestellt, dass ohne den Vollzug der Verträge mit Octagon keine Lizenz zu erlangen und der Verein konkursreif sei, stimmten die Mitglieder der Ausgliederung des Profifußballs und dem Anteilsverkauf zu.

Erstmals seit 101 Jahren gehörte damit die erste Mannschaft der Fußballer, seit jeher das sportliche Aushängeschild der Eintracht, nicht mehr zum Verein. Die neu gegründete Kapitalgesellschaft stand zwar formal im Mehrheitseigentum des Vereins, wurde aber praktisch vom Geldgeber Octagon dominiert, der an keiner Beteiligung von Vereinsvertretern oder gar Fanvertretern in die Entscheidungsprozesse interessiert war. Die AG bezog neue Geschäftsräume im Frankfurter Westend und grenzte sich räumlich wie sachlich vom Verein ab.

Entsprechend schwierig gestaltete sich im Sommer 2000 die Suche nach einem neuen Präsidenten für den führungs- und fast auch bedeutungslos gewordenen Verein. Der Präsident wurde nach damaliger Satzung nicht von der Mitgliederversammlung gewählt, sondern vom Verwaltungsrat ernannt. Im Juli 2000 konnte die Suche nach einem neuen Präsidenten abgeschlossen werden – Peter Fischer erhielt das Votum der Verwaltungsräte. Er machte gleich mit visionären Forderungen wie dem Neubau des Riederwalds, aber auch der Erhöhung der Mitgliederzahl auf 10.000 auf sich aufmerksam.

Gründungsgruppe Fanabteilung

In dem Interesse, den Verein zu stärken und ihm eine neue Mitgliederbasis zu verschaffen, traf Fischer auf vollkommene Übereinstimmung mit jenen Fans, die sich in der „Gründungsgruppe Fanabteilung“ zusammengeschlossen hatten. Triebfeder dieser Initiative war die Erkenntnis, dass sich die Eintracht nur als mitgliederstarker Verein mit starker Beteiligung der Fans behaupten wird können. Und das nur, wenn sich die Fanszene im Verein organisiert und engagiert, die Chance besteht, die Traditionen der Eintracht und die in den bewegten Jahren sowie Jahrzehnten zuvor durch Erfolge und Niederlagen, durch Begeisterung und Enttäuschung entstandene besondere Fankultur auch unter den neuen Bedingungen der Ausgliederung und Investoren zu bewahren.

In ihrem zur Gründung vorgelegten Konzept schrieben die Autoren aus der Gründergruppe: „Das Projektionsfeld der Fanabteilung wird der Bereich Profifußball sein. Zwar ist dieser mittlerweile in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert worden. Um aber das vorhandene Fanpotential nicht allein als ein wirtschaftliches, sondern auch als ein nichtkommerzielles und kreatives zu begreifen, muss sich der Verein Eintracht Frankfurt den Interessen der Anhänger des Bereichs ‚Profifußball‘ annehmen. Gerade der große Stellenwert des Vereins verpflichtet ihn auch zur Übernahme sozialer Verantwortung auf der Grundlage der Bindung des Vereins gegenüber seinen Fans.“

Zu den frühen Forderungen der Gründergruppe gehörte ebenso der Aufbau eines Vereinsarchivs und eines Eintracht-Museums sowie bei dem schon länger beabsichtigten Stadionausbau der Verzicht auf eine Leichtathletiklaufbahn („Initiative reines Fußballstadion“) und möglichst viele Stehplätze. Peter Fischer unterstützte die Gründer von Beginn an, obgleich die Initiative von anderen Vereinsabteilungen argwöhnisch betrachtet wurde. Die Angst vor marodierenden Fanhorden, die dem Verein Unbill einbringen und womöglich Gelder abziehen, musste behutsam abgebaut werden. Am 11. Dezember 2000 folgten rund 200 Eintrachtler der Einladung des Präsidiums und gründeten in der Licher Lounge unter dem Motto „Mit uns schlägt‘s 13“ die Fan- und Förderabteilung. Erster Abteilungsleiter wurde Guido Derckum. Der Vorstand wurde ergänzt durch Klaus Walter, Jürgen Perlich und dem Jugendleiter Rudolf Köhler. Eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf.

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