05.01.2022
Fanabteilung

„Die Waage zwischen Spaß und Leistung“

Caja Zohren und Cezary Tobollik trainieren seit September 2019 die Walking-Football-Mannschaft der Eintracht. Im Interview sprechen Caja und Cezary über ihre Erlebnisse und das mannschaftliche Leitmotiv.

Wie waren die Anfänge von Walking Football bei Eintracht Frankfurt und wie kamt ihr ins Boot?
Caja: Die Fanabteilung der Eintracht hat das Projekt im September 2019 ins Leben gerufen. Ich habe damals mein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Eintracht beendet und wurde als Werkstudentin in der Fanabteilung übernommen. Somit habe ich das Projekt von Beginn an begleitet. Außerdem habe ich selbst früher Fußball gespielt und seither hat mich die Sportart nicht mehr losgelassen. Parallel zu mir hat die Fanabteilung damals eine Trainerausschreibung an die Fußballschule und Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt gerichtet, die beide von Ex-Eintracht-Profi Karl-Heinz Körbel geleitet werden. Cezary ist seither mein Trainerkollege. 

Cezary: Charly hat mich damals angesprochen und gesagt, er habe den perfekten Job für mich. Ähnlich wie die Arbeit bei der Fußballschule. Etwas, wofür man Humor braucht (lacht). Zu der Zeit wusste noch keiner so recht, was uns erwartet oder wie alles ablaufen sollte. Caja, Patrick [Falk; Anm. d. Red.] und ich haben dann beschlossen, zwei, drei Trainings zu geben und einfach zu schauen, wie die Nachfrage ist. Ab dann war klar, dass es das richtige Angebot ist.

Nach einem Monat Training war die Ausbeute noch nicht groß, aber dafür die Erfahrung sehr wertvoll.

Caja Zohren

Wo habt ihr dann euer Turnierdebüt gegeben und wie ging es weiter?
Caja: Einen Monat nach Trainingsbeginn haben wir dann direkt unser erstes Turnier gespielt – die Walking Football League. Ein internationales Turnier, bei dem wir auch Gründungsmitglied sind, Ausrichter war der FC Schalke 04. Wir haben von 12 Teams den vorletzten Platz belegt. Nach einem Monat Training war die Ausbeute noch nicht groß, aber dafür die Erfahrung sehr wertvoll. Den Schwung aus unserem ersten Turnier konnten wir mitnehmen und sind voller Begeisterung wieder ins Training eingestiegen. Ab Ende November ging es einmal pro Woche in die Halle – bis wenige Wochen später Corona dazwischenkam. 

Wie habt ihr eure coronabedingte Pause gestaltet?
Caja: Leider wurden drei der für 2020 geplanten Turniere abgesagt, ein anderes wurde verschoben und wir mussten uns eine Alternative einfallen lassen. Nach drei Wochen Trainingspause ging dann unser erstes Online-Training an den Start. Wir haben jeden Mittwoch statt auf dem Platz über Zoom trainiert. Natürlich lag der Schwerpunkt hier eher auf Kondition und Kräftigung, der Ball war aber immer dabei. Uns war es wichtig, den Austausch und das Gemeinschaftsgefühl hochzuhalten. So konnten wir auch im zweiten Lockdown direkt auf Online-Training umsteigen. Außerdem haben wir uns in dieser Zeit mit der Walking Football Movement Challenge fitgehalten, mithilfe der App „TeamFit“ wurde ein wöchentliches Punkteziel gesetzt, das gemeinsam erarbeitet werden musste.

Das Trainerteam

Cezary Tobollik

Alter: 60 Jahre
Motivation: Gemeinsam lachen und Fußball spielen! Und vor allem den Spaß in der Mannschaft zu sehen und die Gemeinschaft zu fördern.

Caja Zohren

Alter: 21 Jahre
Motivation: Es ist eine tolle Möglichkeit, gemeinsam auf den Fußballplatz zurückzukehren. Es macht einfach Spaß, die Mannschaft fußballerisch weiterzubringen und das Team sichtbar zu stärken.

Ab Juli 2021 konntet ihr dann wieder am Riederwald trainieren. Gab es mittlerweile weitere Wettbewerbe?
Caja: Nach der langen Pause auf dem Trainingsplatz, gab es zum Restart gute Neuigkeiten: die Trainingszeiten wurden verdoppelt, d.h. wir trainierten nun also zweimal pro Woche. So hat sich die Mannschaft viel besser kennengelernt, der Teamgedanke wurde gestärkt und die Leistungen verbesserten sich. Direkt nach unserem Trainingsstart spielten wir ein Turnier in Leeheim, an dem nur Walking-Football-Teams aus Hessen teilnahmen. Dort wurden wir Dritter von vier teilnehmenden Mannschaften. Außerdem reisten wir Anfang Oktober nach Gelsenkirchen. Dort veranstaltete der FV Viktoria Resse das 1. Internationale Walking-Football Turnier, bei dem mehrere nationale wie internationale Profi- und Amateurklubs gesetzt waren. Da wir bereits am Freitag anreisten, verbrachten wir ein intensives Wochenende zusammen und lernten die anderen Mannschaften kennen. Das waren zwei besondere Tage für alle Beteiligten.

Was steht 2022 für euch auf dem Spielplan?
Caja: Wir werden nächstes Jahr auf jeden Fall weiterhin an der Walking Football League teilnehmen, die diesmal europaweit und mit 24 Teams aufgezogen werden soll. Zahlreiche Turniere sind gesetzt und ständig erreichen uns Anfragen. Das sind schöne Entwicklungen – vor allem weil wir bei der Eintracht die erste hessische Walking-Football-Mannschaft gestellt haben und als „Leuchtturm“ gelten. 

Cezary: Daran merkt man, dass Walking Football immer beliebter wird. Immer mehr Vereine, im Inland wie im Ausland, führen eigene Teams ein. Das hat ein großes Echo ausgelöst und so wird die Sportart stetig wachsen. 

Was macht Walking Football denn so besonders?
Caja: Der Sport gibt einem viel zurück. Fußballspielen wieder möglich machen, das ist das besondere an Walking Football. Einerseits bietet er einen sozialen Aspekt und einen strukturierteren Wochenablauf, andererseits aber auch die Möglichkeit, im fortgeschrittenen Alter einen Mannschaftssport ausüben und sich sportlich zu betätigten. Gerade für Ex-Fußballerinnen und -Fußballer ist das ein tolles Angebot, aber auch für Menschen, die nie aktiven Kontakt mit Fußball hatten, nicht mehr rennen oder verletzungsbedingt nicht mehr klassischen Fußball spielen können. Wir freuen uns über jeden, der zum Training vorbeikommt und die Mannschaft unterstützt. Der Fußball bringt alle wieder auf dem Platz zusammen und schafft es, eine tolle Walking-Football-Gemeinschaft zu bilden. 

Es haut mich teilweise aus den Socken, wie viel Engagement, Wille und Freude die Spielerinnen und Spieler an den Tag legen. Sie beweisen mir, dass man immer nur so alt ist, wie man sich fühlt.

Cezary Tobollik

Cezary: Das Besondere an Walking Football sind eindeutig die Menschen. Alle gehen mit einem unglaublichen Ehrgeiz an die Sache. Es haut mich teilweise aus den Socken, wie viel Engagement, Wille und Freude die Spielerinnen und Spieler an den Tag legen. Sie beweisen mir, dass man immer nur so alt ist, wie man sich fühlt. Vor allem aber möchten wir uns Toleranz und Gemeinschaft auf die Fahne schreiben, uns mit diesen Werten stärken und formen. Wir wollen Freude am Spiel haben, aber trotzdem Leistung bringen. Diese Waage soll bei uns immer im Gleichgewicht sein, auch wenn das mit Arbeit verbunden ist.

Was sind Herausforderungen im Training?
Caja: Uns gelingt es, alle Leistungsniveaus im Training anzusprechen. Da ich vorab weiß, wer ins Training kommt, kann ich die Inhalte entsprechend an das taktische und kognitive Leistungsniveau anpassen. Denn nur weil man gut am Ball ist, heißt es nicht, dass man kognitiv noch genauso schnell umschalten kann. Uns verbindet nicht nur der Sport, sondern auch die Eintracht! Das gesamte Team spielt zusammen und hat Spaß. Somit wird jeder akzeptiert und aufgenommen. 

Cezary: Durch bereits vorhandene technische Grundlagen der Mitglieder läuft das Training für uns recht entspannt und professionell ab. Alle wollen stets Fortschritte erzielen und sind extrem ehrgeizig, sie wollen immer gewinnen. Deswegen versuchen wir, neben fußballerischen Elementen auch „menschliche“ Inhalte zu vermitteln. Wir wollen vor allem, dass die Mannschaft ihren „Fußballgeist“ bewahrt. Auf der einen Seite sollen sie sportlich gesehen immer ihr Bestes geben, aber nie außer Acht lassen, dass es „nur“ ein Sport ist. Sporttreiben heißt gewinnen, verlieren, weinen und lachen. Wie im wahren Leben.

Wie sieht die Walking Football Zukunft innerhalb der Eintracht aus?
Caja: Je nachdem, wie stark die Mannschaft wächst, hoffen wir darauf, bei großer Nachfrage das Angebot auf mehrere Teams ausweiten zu können. Zu Beginn zählten wir 18 Frauen und Männer, mittlerweile sind circa 45 Mitglieder angemeldet. Das ist eine tolle Bestätigung und wir freuen uns auf, jeden, der noch kommt, Lust hat mitzuspielen oder Walking Football einfach mal ausprobieren möchte!

Infos

In den Wintermonaten wird wird jeweils dienstags sowie donnerstags von 20:30 bis 22 Uhr in der Sporthalle der Charles-Hallgarten-Schule trainiert.

Kontakt: Telefon: +49 69 42 09 70-339, E-Mail: walkingfootball@eintracht-frankfurt.de

Neugierig geworden? Dann komm ins Training vorbei und lass dich von Walking Football mitreißen!

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