20.02.2026
Fanabteilung

Eintracht-Familie in der Ferne

In Hessen aufgewachsen, kam Julia Lehmann über Umwege zur Eintracht. Einmal verliebt, hält sie dem Verein seit über 25 Jahren die Treue – obwohl sie längst in München sesshaft ist.

„Die Eintracht war in meiner Kindheit kein großes Thema“, rekapituliert Julia Lehmann ihre Jugend. Erst im Studium ist die in Kassel aufgewachsene Julia zur Eintracht gekommen. In Würzburg sieht sie zusammen mit Eintracht-Fans aus dem Studium am 29. Mai 1999 ein Spiel der Adlerträger im Fernsehen. Ein besonderes Spiel, denn an diesem 34. Spieltag geht es für die Eintracht um alles. Ein Sieg war Pflicht, wenn ein Abstieg verhindert werden sollte. Spätestens nach dem legendären Übersteiger von Jan Åge Fjørtoft zum 5:1-Endstand gegen den 1. FC Kaiserslautern hatte die Eintracht nicht nur den Klassenerhalt geschafft, sondern auch einen neuen Fan gewonnen.

Nach dem Studium in Würzburg ging es Anfang 2000 für Julia nach Frankfurt. In der Mainmetropole angekommen, merkte sie, wie omnipräsent die Eintracht in der Stadt ist. „Es war allgegenwärtig im Alltag“, beschreibt sie das Gefühl in der Stadt. Der Stadionbesuch war ein Teil des Wochenendes. Oder auch eines Montags: „Zu Zweitliga-Zeiten ging es auch mal direkt vom Büro aus ins Stadion.“

Fünf Jahre später folgte Julia ihrem Mann nach München. Wehmütig blickt sie auf die Zeit in Frankfurt zurück. „In Frankfurt wurde mir klar, was für ein besonderer Verein die Eintracht ist und ich wusste, dass ich ihr auch in München treu bleiben muss“. Neu angekommen in der Stadt war ihr eines wichtig: Andere Menschen zu finden, mit der sie ihre Leidenschaft für die Diva vom Main teilen kann. „Ich habe damals einfach in das Forum der Eintracht geschrieben, dass ich neu bin in München und gefragt, ob es hier andere Fans gibt, mit denen man mal gemeinsam ein Spiel gucken kann oder zu Auswärtsspielen fahren kann“, erzählt sie. Es fanden sich mehrere Eintracht-Fans. 

Der EFC und die Menschen, die ich dadurch kennengelernt habe, sind hier immer der Anker für mich gewesen [...].

Julia Lehmann, langjähriges Mitglied

Fans der Eintracht finden sich überall

Zusammen verfolgten sie anfangs noch in „windigen Bahnhofskneipen“ die Spiele, bevor irgendwann der Gedanke eines eigenes „Eintracht Frankfurt Fanclubs“ (EFC) entstand. Im August 2006 gründeten sie den EFC Adler München, der dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. „Der EFC und die Menschen, die ich dadurch kennengelernt habe, sind hier immer der Anker für mich gewesen und haben mir gezeigt, dass es sich durchaus lohnen kann, in dieser Stadt zu leben“, schaut die heutige EFC-Präsidentin auf ihre Anfangszeit in München zurück. Seit fünf Jahren ist sie Präsidentin des EFC. „Ohne die Menschen und den EFC wäre die Eintracht wahrscheinlich nie ein so großer Teil in meinem Leben geworden!“ 

Zusammen im Stadion „An der Alten Försterei“ bei Union Berlin.

Seitdem fährt sie zu den meisten Spielen. Egal, ob auswärts oder im Waldstadion – „auch Heimspiele sind für uns Auswärtsspiele“ –, national oder international: Zusammen mit ihrer Tochter, an die sie die Liebe zur Eintracht weitergeben konnte, schaut sie so viele Spiele, wie es ihr Budget und der Kalender erlaubt. Im Vergleich zu ihrer Zeit am Main ist der Aufwand um ein Vielfaches größer geworden. Statt einfach mit der S-Bahn schnell zum Stadion fahren, geht es für sie und den EFC morgens in den ICE. Das bedeutet mehr Planung, besonders wenn der Job und die Familie mit beachtet werden müssen. 2022 war Julia wie so viele andere Eintracht-Fans in Barcelona. Mitbekommen, wie viele Fans es dort wirklich waren, habe sie erst nach dem Spiel. Einen erneuten Besuch im letzten Dezember in der Champions League ersparte sie sich. „Das Spiel aus 2022 kann durch nichts getoppt werden.“

Das Wunder von Berlin

Bei der Frage, welches Spiel sie besonders in Erinnerung hat, muss sie überlegen. Das Europa League Finale in Sevilla kommt ins Gedächtnis. Genauso erzählt sie aber auch von Spielen in den ersten Runden des DFB-Pokals gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig oder den FV Engers, weil sie nicht in „den großen Fußballtempeln“ stattfinden, sondern in Stadien mit mehr Charakter und mehr Nähe. Am Ende legt sie sich auf das Spiel fest, was den ganzen Höhenflug und Erfolge der letzten Jahre erst möglich gemacht hat: Das DFB-Pokalfinale 2018 gegen die Bayern. 

 

Und plötzlich wussten wir: Ne, der wird jetzt nicht vorbeischießen.

Julia Lehmann über das DFB Pokalfinale

„Das ist diese Eintracht-DNA. Man hofft immer auf den Erfolg, aber man hat immer im Hinterkopf: Am Ende klappt es wahrscheinlich doch wieder nicht“, erzählt sie. Genau so sei es auch 2018 gewesen. „ Alle dachten, es wird wieder so typisch. Jetzt kriegen wir den Elfmeter, dann steht es 2:2 und wir verlieren das Ding unglücklich im Elfmeterschießen“, beschreibt sie die damaligen Gefühle. Doch es sollte anders kommen. Innerhalb von Sekunden habe sich alles geändert. „Als der Mijat losgelaufen ist, haben alle nur noch geschaut, geschaut und geschaut. Und plötzlich wussten wir: Ne, der wird jetzt nicht vorbeischießen. Der wird jetzt das Tor treffen. Er wird es jetzt einfach machen“, beschreibt sie die letzten Sekunden des Spiels. „Ein Wechselbad der Gefühle!“

Vier Jahre später folgte der Sieg in der Europa League. „Wenn ich das im Nachhinein noch einmal betrachte, dann merke ich erst, was für ein großes Geschenk das war, dabei gewesen zu sein. So etwas Einzigartiges mit dem EFC gemeinsam erlebt zu haben, ist schon ein etwas ganz Besonderes. Die Reise durch Europa war natürlich der Höhepunkt der letzten Jahre mit der Eintracht.“

Ungewohnter Anblick in der Münchner Innenstadt

Diesen Samstag geht es für Julia und ihre Tochter zu ihrem „einzigen echten Heimspiel der Saison“. Auch, wenn sie die Allianz Arena nicht besonders mag, geht sie trotzdem ins Stadion. „In die Allianz Arena zu fahren, ist wie Lotto spielen. Man weiß eigentlich, dass es nicht viel bringt, aber irgendwann gewinnt man doch mal.“

Mit dem EFC Adler München unterwegs.

Doch vorher wartet noch die alljährliche Fahrt mit dem Ebbelwoi-Express. Mit einer angemieteten und selbst geschmückten Straßenbahn fährt der EFC Adler München durch die Stadt. „Die Leute schauen jedes Mal ganz verdutzt, wenn wir lautstark feiernd durch die Innenstadt fahren“, erzählt die EFC-Präsidentin. Der Apfelwein kommt extra aus Frankfurt. Wenn es nach ihr geht, kann auch noch nach dem Spiel gefeiert werden. Julias Tipp für das Spiel: 1:1.