Dr. Martin Dill weiß, welche Kraft in der Verlegung der Stolpersteine liegt. „Die Idee dahinter ist, dass diese Erinnerung in den Alltag der Menschen geht. [...] Die Menschen stolpern quasi gedanklich drüber, daher auch der Name Stolpersteine, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit sind, auf dem Weg zur Schule und so weiter“, sagt er in der neuen Podcast-Folge „Eintracht vom Main“.
Gedenken im öffentlichen Raum
Stolpersteine bedeuten Gedenken im öffentlichen Raum – und genau darum geht es: Schicksale dort sichtbar machen, wo sie Teil der Nachbarschaft waren. Gemeinsam mit Eintracht Frankfurt hat die Initiative zahlreiche Steine verlegt, wie etwa für den ehemaligen Turner von Eintracht Frankfurt, Emil Stelzer, oder die ehemaligen Besitzer der „Schlappeschneider“-Fabrik, Fritz und Lothar Adler.
Rund um den 27. Januar, dem Tag der Befreiung des KZ Auschwitz, gedenkt auch der Profifußball in Deutschland der Opfer des Nationalsozialismus. Seit 20 Jahren beteiligen sich die DFL Deutsche Fußball Liga sowie die Klubs der Bundesliga am „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ im Zusammenspiel mit der Initiative „!Nie Wieder“. In diesem Rahmen ist in diesem Jahr die Podcastfolge mit Dr. Martin Dill, Vorsitzender der Stolperstein-Initiative Frankfurt e.V., entstanden.
120.000 Stolpersteine
Ziel der Stolpersteine ist, die Menschen an ihrem letzten frei gewählten Ort zu ehren. „Vom Konzept her versuchen wir, den Stolperstein zu verlegen und daran zu erinnern, wo der letzte frei gewählte Wohnort der Menschen war. Also dort, wo sie zu Hause waren, bevor sie gezwungenermaßen umziehen mussten“, erklärt der ehemalige Biologe. Dabei ist jeder Stein ein kunsthandwerkliches Unikat. „Jeder dieser Steine und jeder der Buchstaben in dieser Messingplatte, jeder einzelne wird per Hand eingeschlagen. […] Das sind im Moment, ich glaube, sechs oder sieben Kunsthandwerker, die für ganz Europa diese Steine Buchstabe für Buchstaben in Schriften einschlagen“, fährt Dill fort. Jede Verlegung werde mit Würde und Zuwendung durchgeführt, „mittlerweile sind es wirklich unglaubliche 120.000 Stolpersteine, die in ganz Europa“.
Die Erinnerung dürfe niemals enden. „Dieses Stolperstein-Projekt ist mittlerweile das größte dezentrale Denkmal der Welt . Man erinnert sich immer, oder wenn man das sieht, denkt man, das sind verfolgte Jüdinnen und Juden gewesen, die verfolgt wurden, die umgebracht wurden. Aber es geht gar nicht nur um Juden, es geht auch um andere verfolgte Minderheiten“, betont Matthias Thoma, Leiter des Eintracht Frankfurt Museum, der das Gespräch mit Dill geführt hat.
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Dr. Martin Dill spricht offen über berührende Begegnungen mit Angehörigen aus aller Welt, die „kriminelle Energie“ seiner Jugend am Stadionzaun und die Hoffnung, die durch aktive Gedenkkultur entsteht: das und mehr in der neuen Episode „Eintracht vom Main“.

