06.01.2022
Fanabteilung

Fanabteilung trifft Petra Stierstädter

Bunt ist sie, die Eintracht-Welt, voller Geschichten und Erlebnisse. Getragen werden diese Geschichten durch die Fans und Mitglieder der Eintracht. Eines davon ist Petra Stierstädter.

„Für mich war die Eintracht schon immer da. Ich weiß gar nicht, wie ein Leben ohne Fußball ist“, lacht Petra zu Beginn unseres Gesprächs. Und das liegt daran, dass sie schon als ganz kleines Mädchen an der Hand ihres Vaters ins Stadion spaziert ist. Das hieß damals noch Waldstadion und war nur selten ausverkauft – wie zum Beispiel beim Spiel gegen Bayern München, damals, am 22. November 1975. „Ich bin zwar schon zuvor oft dort gewesen, aber die ersten Erinnerungen, die ersten Bilder im Kopf, stammen aus diesem Spiel, da ist was hängen geblieben. Von da an habe ich Fußball emotional wahrgenommen. Damals war ich zehn“, erinnert sich Petra an das Spiel, in dem die Eintracht zur Halbzeit mit 5:0 gegen die Bayern führte und Bernd Nickel das 6:0 durch einen direkt verwandelten Eckball markierte. Fürwahr ein historisches Spiel. Lange Jahre hatte sie einen Platz an der Seite ihres Vaters auf der Haupttribüne, ein junges Mädchen im Stadion war ja in jenen Jahren eine Seltenheit. Immerhin waren auch ihre beiden Cousins, ihr Onkel und auch die Großmutter regelmäßig dabei. Nur ihre Schwester und die Mutter zeigten kein Interesse am Fußball. „Das war zuhause dann Samstagabends schwierig: In einem Programm liefen die Serien „Bonanza“ oder Daktari, im anderen die Sportschau. Wir mussten uns einigen. Aber es hat geklappt“, grinst sie.

Die Anfänge im Waldstadion

Mit Beginn der 80er Jahre wurde die Verlockung, mit der Familie ins Stadion zu gehen, überschaubar. Neue Strukturen mussten geschaffen werden – nur gab es in Petras Hofheimer Bekanntenkreis keine anderen Mädchen, die zum Fußball gingen. Also suchte sie sich ein paar Jungs, mit denen sie in den Frankfurter Stadtwald fuhr. „Wir brauchten ja keine Dauerkarten. Wir gingen ans Kassenhäuschen und besorgten uns vor Ort Schülerkarten für fünf Mark. Block L. Das war damals kein Problem. Aber so richtig wohl habe ich mich als Mädchen nie mit den Jungs gefühlt. Irgendwie kam ich mir stets etwas fremd vor. Ich war ja auch nie ‚die Freundin von …‘. Ich wollte nur nicht alleine ins Stadion. Einige Male war ich auch im legendären Block G. Aber das war für ein Mädchen nicht schön. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre lernte ich meine Freundin Kirsten kennen, die heute Mitglied im EFC Anton Hübler ist. Gott was war ich erleichtert, endlich mal eine Frau, die genauso tickte wie ich. Und so wurde für die nächsten Jahre der Block D unsere Heimat, die Dauerkarte für 98 Mark. Eigentlich ein bescheuerter Block, aber ich bin auch später mit den Kids immer mal wieder dorthin. Die konnten hier in Ruhe spielen“, lacht Petra, die ihren Christoph 1988 heiratete.

Familiäre Strukturen

Tochter Nina erblickte nur wenig später das Licht der Welt, drei Jahre später komplettierte Sohn Milan die Eintracht-Familie. Beide sind wohlerzogen und seit Kindesbeinen Eintracht-Fan. „Chris war ja auch schon lange Eintrachtler. Er hatte seine Strukturen, ich hatte meine. Und so kam es, dass wir noch nie gemeinsam eine Dauerkarte nebeneinander hatten“, gesteht Petra lächelnd. Immerhin haben sie mit Beginn der 2000er Jahre zeitweilig sogar für die Eintracht gearbeitet. Chris wurde in jener Zeit Physiotherapeut der Amateure und Petra hat ihn tatkräftig unterstützt. Der Trainer hieß damals Bernhard Lippert, später Peter Houbtchev. „Das war eine richtig schöne Zeit, vor allem Houbtchev hat mir imponiert. Immer freundlich. Immer klar. Damals wurde ja viel improvisiert am Riederwald, aber es ging sehr freundschaftlich und familiär zu. Richtig entspannt.“ In jener Zeit wurde sie auch Mitglied bei der Eintracht – zunächst in der Fußballabteilung, seit 2013 in der Fanabteilung. Es folgte eine Zeit als Moderatorin im Eintracht-Forum. „Die ersten beiden Jahre war das eine tolle Sache, bei der ich mit viel Herzblut dabei war – später wurde es ein bisschen anstrengend und zum Ende hin war ich eher genervt. Zu viele zerrten an einem, der Stress überwog – und so zog ich einen Schlussstrich.“

Da vorne kommt ein Franzose, der sieht aus wie Heribert Bruchhagen.

Petra Stierstädter

Schon lange ist Petra Mitglied im EFC Frieda, dem ersten Frauenfanclub bei der Eintracht. „Wir hatten viele lustige Erlebnisse – wie damals in Bordeaux. Wir standen vor einem Schaufenster und jemand sagte: „Da vorne kommt ein Franzose, der sieht aus wie Heribert Bruchhagen. Wir kümmerten uns zunächst nicht weiter darum, bis neben uns eine Stimme ertönte: ‚Sieh an, die Damen vom EFC Frieda.‘ Es war tatsächlich Heribert Bruchhagen. Was haben wir geguckt.“ Groß waren natürlich auch die Pokalendspiele in Berlin und die ein oder andere Reise durch Europa. „Wir hatten damals sogar schon Baku gebucht. Flug bis Tiflis und dann den Nachtzug für 35 Euro nach Baku. Aber daraus wurde ja leider nichts“, ärgert sich Petra bis heute noch ein bisschen. Ganz große Stücke hielt und hält Petra hingegen vom Grandseigneur der Eintracht, von Kurt E. Schmidt, den sie am Riederwald kennenlernte und der 2013 verstorben ist. „Kurti war ein ganz Großer. Vielleicht der eloquenteste und charmanteste Eintrachtler überhaupt. Er hat immer einen Platz in meinem Herzen“, macht sie aus ihren Gefühlen keinen Hehl. Und dem schließen wir uns natürlich an und grüßen Kurti ganz herzlich, egal wo er jetzt auch immer ist. Denn: Einmal Eintracht – Immer Eintracht!

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