20.02.2022
Fanabteilung

Fanabteilung trifft Sebastian Braun

Bunt ist sie, die Eintracht-Welt, voller Geschichten und Erlebnisse. Getragen werden diese Geschichten durch die Fans und Mitglieder der Eintracht. Eines davon ist Sebastian Braun.

Als Klein Sebastian Mitte der 90er-Jahre durch Frankfurt-Griesheim tollte, war Fußball kein großes Thema. Beide Eltern hatten weder zum runden Leder im Allgemeinen noch zur Eintracht im Besonderen einen konkreten Bezug. So legte auch niemand Widerspruch ein, als er mit einem Trikot der Dortmunder Borussia in die Grundschule spazierte, derweil sich sein Cousin ein Jersey der Münchner Bayern überstreifte. Beide Vereine beherrschten damals den deutschen Fußball und waren in aller Munde, naja, zumindest in fast aller. Immerhin hielt sein bester Kumpel die Eintracht-Fahne hoch – und da dessen Mutter eine Dauerkarte besaß, landete Sebastian eines bitterkalten Nachmittags doch im Frankfurter Waldstadion. Gute zwei Stunden später wanderte er mit leuchtenden Augen nach Hause. Zwar wurde er nur Zeuge eines eher langweiligen 0:0 mit Andy Köpke im Kasten, doch seine Entscheidung, das neongelbe Trikot in die Ecke zu werfen und von nun an in rot-schwarz-weiß unterwegs zu sein, war schon auf dem Heimweg gefallen. Ein Frankfurter Bub gehört halt zur Eintracht, auch wenn er jahrelang davon nichts ahnt.

Langsame Politisierung als Fan

Doch weiterhin mahlten die Fußballmühlen langsam. Eins, zwei Mal im Jahr ging es von nun an in den Frankfurter Stadtwald, später zog es ihn in die Kneipe ums Eck. Während die Älteren beim Bierchen die Eintracht schauten, verdrückte sich Sebastian mit einer Cola alleine in die Ecke, um nach Schlusspfiff wieder nach Hause zu radeln. Vollends gepackt hat es ihn erst während des Studiums. „Die Eintracht saugte mich langsam ein, immer häufiger ging ich fortan ins Stadion und bald begannen wir auch auswärts zu fahren, die ersten Touren mit dem altersschwachen Bus der Geiselgangster. Als ich nach Abpfiff noch über das Spiel sprechen wollten, hatten die anderen schon ihr Bierchen in der Hand, während sich die Discokugel im Bus drehte“, erinnert er sich an die ersten Auswärtsfahrten. „Und ich habe viel gelernt. So hat es hat eine Weile gedauert, bis ich begriff, aus welchen Gründen und mit welchen Mitteln sich Fans gegen diverse Verbote stellten oder sich Gesprächen mit Verbänden verweigerten. Der Zusammenhang zwischen Repressalien oder irreführenden Gesprächsangeboten seitens des DFB und den im Widerspruch dazu stehenden Bedürfnissen der Fußballfans war mir zunächst nicht klar. Aber ich hinterfragte die Dinge, ergründete Zusammenhänge und verstand immer besser, weshalb Leute Spiele boykottierten, verstand die Proteste. So hat sich meine Haltung im Laufe der Zeit sehr stark gewandelt.“

Europäische Nächte

Erinnert sich Sebastian an die Highlights mit seiner Eintracht, so fallen ihm spontan die beiden Spiele in Zypern ein. Vor allem die Reise 2013 blieb in nachhaltiger Erinnerung. Die Partie in Nikosia sollte sein erstes internationales Auswärtsspiel werden. Um den Trip so günstig wie möglich zu halten, hatte sein Kumpel Freddy einen Flug gewählt, der von Frankfurt über Krakau und Bologna nach Zypern ging. Es dauerte ein Weilchen, bis sie in Paphos landeten – aber teuer war‘s nicht. Umso entspannter dann die unbeschwerte Woche Badeurlaub inklusive Auswärtssieg. Einen Höhepunkt atmosphärischer Dichte erlebte er beim Europa League-Heimspiel gegen Straßburg, als das Stadion überkochte: „Ich trage ja die große Hoffnung in mir, dass solche Abende wiederkommen. Die Eintracht, die überschwänglichen Emotionen – dies alles war ein wichtiger Lebensmittelpunkt, der derzeit extrem fehlt“. Immerhin war er vor Ausbruch des Corona-Virus nahezu bei jedem Spiel dabei, egal ob in Frankfurt oder Auswärts.

Eine Stadt. Ein Verein. Gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie.

Aufkleber von Sebastian Braun

Mitglied in der Fanabteilung ist Sebastian seit 2018. „Schon vor dem Pokalfinale“, wie er lachend erzählt. „Aber auch vor dem Entschluss zur Mitgliedschaft stand ein längerer Prozess. Es brauchte einen Moment, um zu verstehen, was es heißt, Mitglied bei der Eintracht zu werden, wie wichtig die Vereinsstrukturen und die damit einhergehende demokratische Mitbestimmung ist. Mitgliedschaft heißt ja nicht nur günstigere Dauerkarten“, setzt Sebastian auf aktive Teilhabe. Überhaupt ist er ein durch und durch reflektierter Mensch. Und so ist es wenig verwunderlich, dass er auch auf gesellschaftliche Missstände außerhalb des Fußballs schaut. Allgegenwärtiger Rassismus, Antisemitismus oder Sexismus treffen bei ihm auf energischen Widerspruch. Ende September 2019 hatte er die Idee zu einem Sticker, der sich eindeutig positioniert. „Eine Stadt. Ein Verein. Gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie“, so das Motto. Gesagt, getan, die ersten 1000 Aufkleber erblickten das Licht der Welt – und die Nachfrage war riesig. Er kam kaum mit der Produktion nach, eintüten und versenden nahmen ganze Wochenenden ins Anspruch und die Sticker reisten um die Welt.

Der Verein lebt eine Haltung vor – und gemeinsam können wir das alles noch auf ein ganz anders Level heben.

Sebastian Braun

Bis heute hat er sage und schreibe 180.000 der markanten schwarz-weißen Sticker produziert und verschickt – zum Selbstkostenpreis. Sie kleben in Frankfurt, aber auch in den USA oder Thailand. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich einen Sticker sehe oder ein Foto davon bekomme, er ist ja mehr als ein Aufkleber. Es ist ein Statement im Namen der Eintracht“. Das Fanprojekt belohnte ihn mit der Verleihung des „Im Gedächtnis bleiben“-Preises. Sebastian macht kein großes Thema daraus, ihm geht um die Sache. Und er hat Pläne: „Es wäre toll, in Frankfurt eine Häuserwand mit einem Graffiti des Stickers zu gestalten. Jedoch fehlt es noch an einem geeigneten Platz“. Sollte also hier jemand mitlesen, der eine größeres Gebäude zur Verfügung stellen könnte, wir leiten den Kontakt gerne weiter. „Das ist ja das Schöne, der Verein lebt eine Haltung vor – und gemeinsam können wir das alles noch auf ein ganz anders Level heben“, sagt er zum Abschied. In der Tat: Es wäre doch gelacht, wenn es uns nicht gelänge, den vielen verschiedenen engagierten Projekten rund um die magische SGE noch ein weiteres hinzuzufügen.

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