09.01.2022
Fanabteilung

Mit den Fingern sprechen lernen

Für interessierte Mitglieder bieten Fanabteilung und Fanbetreuung seit diesem Jahr einen Gebärdensprachkurs an. Durch die Teilnahme am Kurs möchte Dirk Dewald gehörlose Menschen in ihrem Alltag unterstützen.

Die Nummer 12, sie ist im Fußball eine symbolische Nummer. Der 12. Mann, das sind die Fans. Seit Jahren wird die Trikotnummer bei Eintracht Frankfurt nicht mehr an aktive Spieler vergeben. Stattdessen tragen diese Nummer die Fans auf dem Rücken. Ein imposantes Bild, dass sich am 19. Mai im Berliner Olympiastadion ergeben hat. Mittendrin dabei: Dirk Dewald, für den die Nummer 12 jedoch noch eine ganz andere Bedeutung besitzt, denn sie ist schlichtweg seine Teilnehmernummer.

Ohne Verbale Sprache auskommen

Dirk Dewald ist einer von zwölf Mitgliedern, die am ersten Gebärdensprachkurs von Fanabteilung und Fanbetreuung teilgenommen haben. Der Grund hinter seiner Nummer ist simpel: „In der Gebärdensprache bestehen Namen aus typischen Eigenschaften. Wenn man in einen Kurs mit neuen Leuten kommt, dann kann man nicht so schnell die richtigen Bewegungen den Personen zuordnen. Eine Nummerierung der Teilnehmer vereinfacht vieles“, fasst der 53-Jährige die pragmatischen Gründe zusammen. Der Kurs wird in Zusammenarbeit mit der GeKom gGmbH, der Gesellschaft zur Förderung Hörgeschädigter und von Kommunikation in Gebärdensprache, angeboten. In dem vierzehnwöchigen Kurs hat Referentin Barbara Rott Grundlagen der Gebärdensprache vermittelt, aufgrund der Coronapandemie in einer reinen Onlineveranstaltung. Die Referentin ist selbst gehörlos, die Inhalte werden in Form einer Präsentation vermittelt. Grundlegende Fragen werden über die Chatfunktion geklärt, jeder Workshop findet komplett ohne verbale Sprache statt. Eine wöchentliche Herausforderung für die Teilnehmenden.

Mich hat das extrem gereizt, diese Sprache zu lernen. Ich möchte die Leute in ihrem Alltag unterstützen.

Dirk Dewald

Den ersten intensiven Austausch mit Gehörlosen hat Dirk Dewald auf seinem Weg zur Arbeit gefunden. Er wohnt in Mainz, vor der Coronapandemie hat er an der Bushaltestelle regelmäßig Gehörlose getroffen. Mit Händen und Füßen habe man sich wunderbar verständigen können, wie der gelernte Bürokaufmann seine ersten Begegnungen beschreibt. Er musste nicht lange überlegen, als er das Angebot der Eintracht gelesen hat: „Mich hat das extrem gereizt, diese Sprache zu lernen. Ich möchte die Leute in ihrem Alltag unterstützen. Soziales Engagement ist ein wichtiger Faktor in meinem Leben.“ Wie die Fans steht auch Eintracht Frankfurt für Vielfalt, innerhalb des Vereins nimmt das Thema Inklusion einen großen Stellenwert ein. Auch im Stadion sind gehörlose Menschen anzutreffen, der Kurs soll einen aktiven Austausch ermöglichen. Bei Heimspielen ist Dirk Dewald in Block 39 anzutreffen, seit Jahren besitzt er dort mit seinem Fanclub eine Dauerkarte.

Feste Handzeichen und freies Reden

Das Fundament der Gebärdensprache bildet das Fingeralphabet, das von den Teilnehmenden im Laufe der Wochen erlernt worden ist. Die Koordination sei unfassbar schwierig, „denn man muss seine normale Welt ausschalten, die Konzentration voll und ganz auf seine Finger legen“. Das ist ein schwieriger Prozess, der Eintracht-Fan aus Mainz sei nach jeder Sitzung ausgelaugt gewesen. Die Devise lautete dranbleiben. Von Woche zu Woche funktionierte die Koordination besser. Dem Fingeralphabet folgte ein Zugang zur Sprache auf spielerische Weise. In Form von Zeichen wurde eine abgewandelte Form von stiller Post gespielt, bei dem die jeweils andere Gruppe die Bedeutung erraten musste. Das Verständnis der Sprache wurde nach und nach verinnerlicht, durch das Fingeralphabet konnten Bedeutungen konstruiert werden. Dirk Dewald fasziniert die Kombination aus festgelegten Handzeichen und freiem Reden: „Subjekt, Objekt, Prädikat, das gibt es nicht. Die Kombination von festen Wortbedeutungen und freier Kommunikation ist faszinierend.“

Die Menschen freuen sich, wenn bei der Gegenseite ein gewisses Interesse besteht.

Dirk Dewald

Den Abschluss des Kurses bildeten fußballspezifische Vokabeln, die den Teilnehmenden eine aktive Anwendung im Stadion ermöglichen. Trotz der großen Dankbarkeit für das Angebot muss sich der 53-Jährige jedoch auch eingestehen, die Arbeit dahinter bei der Anmeldung unterschätzt zu haben. Ohne regelmäßiges Üben würde er viele Inhalte wieder vergessen, vor allem bestimmte Buchstaben. Er stelle sich nach Abschluss des Kurses in seinen Gedanken weiterhin Wörter vor, die er im Anschluss in Gebärdensprache übersetzt. Trotz der intensiven Kurswochen geben ihm positive Erfahrungen im Alltag Kraft, die Gebärdensprache weiterhin aktiv anzuwenden „Die Menschen freuen sich, wenn bei der Gegenseite ein gewisses Interesse besteht. Das sind immer wieder tolle Begegnungen, aus denen ich unfassbar viel lernen kann“, fasst Dirk Dewald seine Erfahrungen zusammen. Auch im Stadion hat der 53-Jährige schon gehörlose Menschen getroffen, mit denen er dank des Kursangebots auf einer ganz anderen Ebene kommunizieren konnte. Eine Ebene, welche die Vielfalt von Eintracht Frankfurt unterstreicht und einen wichtigen Beitrag zur Inklusion leistet.

Jetzt noch anmelden!

Aufgrund der positiven Resonanz und der starken Nachfrage bieten Fanabteilung und Fanbetreuung ab dem 14. Februar 2022 erneut zwei Gebärdensprachkurse an. Die Anmeldefrist endet am Sonntag, den 16. Januar 2022. Das Angebot richtet sich ausschließlich an Mitglieder von Eintracht Frankfurt ab 18 Jahren (ausgenommen Fördermitglieder).

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