19.08.2021
Fanabteilung

Podiumsdiskussion rundet Ausstellung ab

Frauen im Fußballstadion haben bis heute mit Vorurteilen und Diskriminierung zu kämpfen. Die Wanderausstellung „Fantastic Females“, die gerade in Frankfurt gastierte, widmet sich dem Thema auf vielen Ebenen.

Sie präsentiert dabei eine Vielzahl von Frauen, die sich für einen Wandel in den stereotypen Bildern einsetzen. Das Besondere hierbei ist, dass ein breites Spektrum an weiblichen Fußballfans über sich selbst spricht und nicht über sie gesprochen wird. So wird eine Vielfalt sichtbar, die in der Öffentlichkeit ansonsten unterrepräsentiert ist. Auch in Frankfurt finden sich viele „Fantastic Females“ aller Altersklassen unter den Fans und Mitgliedern unserer Eintracht-Familie und so war es naheliegend die Ausstellung um einen Frankfurter Teil zu ergänzen und Eintrachtlerinnen ihre Geschichten erzählen zu lassen.

So entdeckte zum Beispiel Käthe Jopek, 76 Jahre alt, bereits in den 1950er Jahren die Eintracht für sich, wohlgemerkt zu einer Zeit als Frauenfußball als Sport noch seitens des DFB verboten war. Sie erinnert sich, dass es in den 1960er Jahren noch um einiges schwerer war als Frau ins Stadion zu gehen. Nicht nur, dass es den ein oder anderen Spruch gab und sie sogar angerempelt wurde, bei einem Auswärtsspiel in Istanbul wurde ihr gar der Eintritt verwehrt. Doch aufhalten oder abschrecken hat sich Käthe nicht. Vor dem Beginn der Pandemie besuchte sie alle Saisonspiele der Profimannschaft und hatte zudem noch eine Dauerkarte am Riederwald. So überwiegen in ihrer Erinnerung die positiven Momente, gerade die Reisen mit der Eintracht durch die halbe Welt und die Menschen, die man dabei kennenlernt, sind ein fester Bestandteil ihrer Biografie geworden.

Als FFC-Anhängerin durchs Land

Doch nicht nur im Männerfußball wird zu Spielen gereist. Catharina Kurzknabe, 34 Jahre alt, hat von Malmö bis London so einige internationale Spiele gesehen, damals noch als Fan vom 1. FFC Frankfurt. Seit sie eine Freundin 2001 mit zu einem Spiel ans Brentanobad genommen hatte, war sie fasziniert vom Erlebnis Stadion und engagierte sich schnell in der sich formierenden Fanszene des FFC. Sie sammelte Unterschriften für mehr Sichtbarkeit des Frauenfußballs in den Medien, wurde Admin diverser Fan-Homepages und gründete sogar ein eigenes Fanmagazin. Als Teil der „Chaos-Girls“ reiste sie jedes Wochenende mit Zaunfahne durch die Republik. Selbst ihren Mann, der generell nichts mit Fußball zu tun hatte, konnte sie fürs Stadion begeistern und auch die Geburt ihres Kindes konnte sie nicht stoppen.

Sie hofft, dass durch die Fusion mit der Eintracht der Stellenwert des Frauenfussballs in Frankfurt, aber auch im Allgemeinen, steigen wird und mit einhergehender Professionalisierung die Wahrscheinlichkeit steigt wieder Titel in Frankfurt feiern zu können -  auch wenn ihr Fanherz aufgrund des Endes der FFC-Ära immer noch etwas blutet. Im Pokal hätte das mit dem Titel dieses Jahr schon fast geklappt, hoffen wir das Catharinas Wünsche noch Wirklichkeit werden.

Was für ein Highlight ein Pokalsieg mit der Eintracht sein kann, weiß Lisa Burkhardt sehr genau. Der Sieg gegen die Bayern 2018 war gerade für jene, die wie Lisa ihre Dauerkarte schon zu Zweitligazeiten hatten, Balsam für die Seele. Ihr erstes Spiel im Stadion erlebte sie 2000 beim Spiel um den Klassenerhalt gegen Ulm. Seitdem spielt Fußball in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Wochenenden, Urlaube und Freundeskreis formieren sich rund um die Eintracht und die Orte an denen sie spielt. Das Gefühl als Zuschauerin aktiv zu werden und von den Rängen Einfluss auf das Spiel zu nehmen, ist für sie unbeschreiblich. Auch wenn sie es heute als selbstverständlich empfindet als Frau im Stadion aktiv zu sein und sich in ihrem direkten Umfeld wohlfühlt, so weiß sie doch aus leidlicher Erfahrung, dass Frauen sich ihre Position in dieser Männerdomäne hart erkämpfen müssen. Für die Zukunft wünscht sie sich ein Stadion ohne Rassismus, Sexismus und Homophobie.

Facetten der Fantastic Females

Wie stark Frauen weltweit Sexismus, Vorurteilen und Rollenklischees ausgesetzt sind, zeigt der Gang durch die multimediale Wanderausstellung mit über 80 Interviews unterschiedlicher Frauen. Fast alle Frauen aus 21 verschiedenen Ländern haben eindrückliche Erfahrungen mit Sexismus gemacht. Egal welchen Alters, ob Ultra oder Funktionärin – die Mechanismen sind immer die gleichen. Und doch scheint es, als hätte ein Prozess begonnen, der immer mehr Fahrt aufnimmt. Immer mehr Frauen organisieren sich, stellen sich den herrschenden Verhältnissen entgegen und versuchen auf verschiedenen Ebenen den Status Quo zu verändern. Die positiven Emotionen, die der Fußball auslöst und der Wille gemeinsam Veränderung zu schaffen, scheinen stärker als jede Herabwürdigung.

Dies wurde besonders bei den zwei Podiumsgesprächen deutlich, die im Rahmen der Ausstellung im ehemaligen Nike-Gebäude an der Otto-Fleck-Schneise stattgefunden haben. Sowohl bei der Veranstaltung mit Tanja Pawollek, Kapitänin der Profi-Frauen von Eintracht Frankfurt, Schiedsrichterin Julia Boike, Ina Kobuschinski vom Eintracht Frankfurt Fanclubverband, Pia Geiger vom Eintracht Frankfurt Museum sowie als Moderatorin die ZDF-Fußballreporterin Claudia Neumann, als auch in der Runde mit Greta Rinast von Football Supporters Europe, Helga Roos vom Sportkreis Frankfurt e.V., Céline Wendelgaß von der Bildungsstätte Anne Frank und Linda Kagerbauer vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt wurden Wege aufgezeigt, wie sich die Zukunft im Fußball weiblicher gestalten lässt. Sichtbar wurde dies besonders durch ein Banner, das hinter dem Podium angebracht wurde. Darauf stand: „Wir sind alle Frankfurter Girls“. Gemalt wurde das Banner von weiblichen Eintracht-Fans zwischen sieben und dreizehn Jahren. Es wächst schon heute eine neue Generation heran, die sich nicht mehr in die Rollenbilder der Vergangenheit pressen lassen will und die Zukunft aktiv gestalten wird.

Bis es soweit ist, dass weibliche Fußballfans einfach ins Stadion gehen können, ohne mit Sprüchen zu rechnen, ist es zwar noch ein Weg, aber genau durch solche Ausstellungen, Gespräche und die vielen tollen Frauen auf jeden Fall möglich. Kooperationsprojekte wie die „Fantastic Females“ Ausstellung von Frauenreferat der Stadt Frankfurt, dem Frankfurter Fanprojekt, Football Supporters Europe und der Eintracht sind wichtige Momente, um Vernetzung und Sichtbarkeit zu vergrößern. Wer die Ausstellung in Frankfurt verpasst hat, kann sich über die weiteren Stationen auf der Website informieren.

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