Über zwei Jahre mussten Verein und Fans, Spieler und Stadt ausharren. Emotionale Durststrecken über Monate mit Partien ganz ohne Fans, dann mit wenigen tausend, einem halbvollen Deutsche Bank Park – und alles wieder zurück. Doch nun ist es so weit: Am Samstag gegen die SpVgg Greuther Fürth sind wieder maximal mögliche 51.500 Besucherinnen und Besucher zugelassen.
Das bedeutet zugleich, dass sämtliche Dauerkarteninhaber das Heimspiel von ihrem Stammplatz aus verfolgen können. Einige derer kommen an dieser Stelle ab sofort fortlaufend zu Wort – als Stimmen aus dem Stadion. Eine bunte Elf von den Rängen im Überblick.
Zum Abschluss berichtet Heinz-Mick Delacoe, wie eine Fernsehzeitschrift seinen Weg zur Eintracht ebnete, Matthias Jakoubek, wie sich nach drei Jahrzehnten ein Kreis für ihn schloss, und Eric Vincent Brückner vom allerersten Fanutensil am Tag seiner Geburt.
Geburtsort: Darmstadt
Stammplatz: Block 43L Reihe 11 Platz 4
Stadiongänger seit: 1993
Wie infiziert? Durch meine Oma unmittelbar vor dem Pokalfinale 1988. Als sich die Mannschaften vor dem Spiel aufgestellt haben, hat es mich gepackt. Dann der Freistoß von Détári, Charly und der Pokal...
Schönster Moment: Im Stadion beim Pokalsieg 2018, 30 Jahre nachdem mich die Eintracht erwählt hat. Und dann wieder Charly und der Pokal.
Größtes Drama: Rostock und die Abstiege waren natürlich bitter, aber besonders traurig war ich im Bremer Weserstadion nach der späten 0:1-Niederlage am letzten Spieltag 2016. Der Gedanke an die anstehende Relegation und der anschließende Spießrutenlauf entlang der Weser durch die Masse pöbelnder Werder-Fans war unerträglich.
Größter Zukunftswunsch: Dass meine Mädels und Jungs vom EFC Porteaux gesund bleiben und wir noch viele europäische Sternstunden erleben können.
Eintracht Frankfurt bedeutet für mich: Eine Haltung und Lebenseinstellung, mit unterschiedlichsten Menschen eine Leidenschaft zu teilen und ein Tattoo im Herzen.
Geburtsort: Niederzier
Stammplatz: Block 38B
Stadiongänger seit: 1988
Wie infiziert? 1974 durch die Zeitschrift Hörzu. Auf einer Doppelseite war die Skyline abgebildet mit einer Spiegelung im Main. Von da an war ich in Frankfurt verliebt – wohlgemerkt: Ich komme aus dem Rheinland.
Schönster Moment: Da gibt es zwei ganz besondere: Der Klassenerhalt gegen Kaiserslautern am 29. Mai 1999. Ein 5:1-Sieg und der legendäre Übersteiger von Jan Aage Fjörtoft. Und als ich 2017 mit dem Fahrrad nach Berlin zum DFB-Pokalendspiel gegen den BVB gefahren bin. Das ist unvergesslich.
Größtes Drama: Jeder Abstieg meiner Eintracht war sehr schmerzhaft.
Größter Zukunftswunsch: Ich liebe meine Diva, so wie sie ist.
Eintracht Frankfurt bedeutet für mich: Liebe, Familie, Leidenschaft, Angst, Jubel, himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt.
Geburtsort: Wiesbaden
Stammplatz: Block 14E Reihe 5 Sitz 6
Wie infiziert? Am Tag meiner Geburt, als wir gegen Mainz spielten und mein Papa mir einen Eintracht-Strampelanzug aus dem Fanshop mitbrachte.
Schönster Moment: Als ich das erste Mal im Stadion war.
Größtes Drama: Dass ich Papa nicht bei den Europa-League-Spielen begleiten durfte.
Größter Zukunftswunsch: Mit meinem Papa zu Europa-League-Spielen fahren.
Eintracht Frankfurt bedeutet für mich: Mehr als der Kindergarten!
Geburtsort: Frankfurt am Main
Stammplatz: Block 32B, Reihe 13, Platz 9
Stadiongänger seit: 1980
Wie infiziert? Als mein Vater mich 1980 das erste Mal mit ins Stadion genommen hat und wir 0:4 gegen die Hertha verloren haben. Da ging die Welt unter. Aber danach folgte ein 9:2 gegen Werder und von da an war ich infiziert.
Schönster Moment: Kann man nach mittlerweile über 1290 Spielen nicht mehr sagen. Die Pokalsiege, auswärts in Israel, auswärts in Europa und ganz klar die USA-Spiele in den vergangenen Jahren in Seattle, San Francisco, Columbus und Florida.
Größtes Drama: Natürlich das Rostock-Trauma.
Größter Zukunftswunsch: Eine Südamerika-Tour mit einem Spiel im Maracanã-Stadion.
Eintracht Frankfurt bedeutet für mich: Meine zweite Familie!
Geburtsort: Osterburg
Stammplatz: Block 14F, Reihe 8, Platz 5
Stadiongängerin seit: 1993
Wie infiziert? Meine Freunde haben mich damals mit dem Eintracht-Virus infiziert.
Schönster Moment: Der Pokalsieg am 19. Mai 2018 bleibt für mich unvergessen.
Größtes Drama: Der überflüssige Abstieg in der Saison 2010/11.
Größter Zukunftswunsch: Ein fairer Kampf mit zahlreichen Topspielen um die ersten sechs Plätze in der Bundesliga. Alles Weitere ergibt sich dann.
Eintracht bedeutet für mich: Tradition, Leidenschaft, Emotionen und Treue.
Geburtsort: Frankfurt am Main
Stammplatz: Block 33K, Reihe 1, Platz 12
Stadiongänger seit: 1981 und seit 2013 auch bei den meisten Auswärtsspielen in Europa mit dabei.
Wie infiziert? Ich hatte am 12. September 2021 mein 40stes Stadionjubiläum. An diesem Tag vor 40 Jahren bin ich bei meinem ersten Spiel mit meinem Papa im Stadion gewesen [3:2 Sieg gegen den HSV; Anm. d. Red.]. Anschließend habe ich meine Jugend zu einem Großteil im G-Block verbracht und bin 2005 dann erstmals mit Dauerkarte auf die Gegentribüne gewechselt – und dort bis heute geblieben.
Schönster Moment: Der Pokalsieg 2018. Es war ein unglaubliches Wochenende von Freitag bis Sonntag in Berlin. Und der Pokalsieg 1988 – mein erstes Auswärtsspiel mit der Eintracht im zarten Alter von 16 Jahren inklusive Fahrt mit dem Fanbus durch die sogenannte Zone. Heute wäre das unvorstellbar.
Größtes Drama: Rostock 1992 live vor Ort – ohne Wenn und Aber. Außerdem der erste Abstieg und auch der letzte 2011 live in Dortmund.
Größter Zukunftswunsch: Dauerhaft nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben...
Eintracht Frankfurt bedeutet für mich: Meine große Liebe, Enttäuschungen und unglaubliche Glücksgefühle. Eine Gemeinschaft, die zusammenhält und zusammenschweißt wie keine andere. Zudem habe ich viele Freunde über den Fußball beziehungsweise die Eintracht gefunden.
Geburtsort: Wiesbaden
Stammplatz: Block 35G, Reihe 23, Platz 23
Stadiongänger seit: 1996
Wie infiziert? Durch Papa und Onkel in den 90er Jahren. Die verlorene Meisterschaft in der Saison 1991/92 war dabei ein prägendes Ereignis.
Schönster Moment: Da gibt es mehrere: Die Aufstiege in die Bundesliga, der Pokalsieg 2018 und die Europa-League-Saison 2018/19 mit meinem persönlichen Highlight: Das Achtelfinale in Mailand.
Größtes Drama: Alle Abstiege aus der Fußballbundesliga.
Größter Zukunftswunsch: In jedem Jahr die Klasse zu halten, vielleicht auch mal wieder eine Europa-League-Saison zu erleben und weitere Pokalsensationen zu feiern.
Eintracht Frankfurt bedeutet für mich: Alles!
Geburtsort: Frankfurt am Main
Stadiongänger seit: 1984
Stammplatz: 25F, Reihe 3, Platz 38
Wie infiziert? Als kleiner Junge bin ich mit dem Fahrrad an den Riederwald gefahren und habe beim Training zugeschaut. Dort habe ich meine ersten Autogramme von Holz, Grabi und Nickel gesammelt.
Schönster Moment: Die Aufstiegsfeier auf dem Rasen des Deutsche Bank Park im Jahr 2012.
Größtes Drama: Ich sage nur Rostock...
Größter Zukunftswunsch: Mit meinem Kumpel Thomas irgendwann auf dem Römer die Meisterschaft feiern. Nichts ist unmöglich!
Eintracht Frankfurt bedeutet für mich: Viel Freude und Leidenschaft, manchmal Frust und Leiden. Einmal Adler, immer Adler!
Geburtsort: Hadamar
Stammplätze: Block 28A, Reihe 18, Platz 15 und 16 – denn meine Frau muss mittlerweile auch mit!
Wie infiziert? Dienstag, 11. April 2006, 20.30 Uhr, Waldstadion, Frankfurt am Main. SGE gegen Bielefeld, DFB-Pokal 2005/06, Halbfinale: Wir hatten damals ein Firmenevent in der Loge von Ricoh. Ich war damals davon überzeugt, dass man in Stadien nur Konzerte sieht – Fußball hat mich generell nicht interessiert. Mein Chef sagte dann zu Beginn des Spiels „Den schwarz-weißen Schal hältst du jetzt über den Kopf und versuchst mal mitzusingen.“ Nach circa 15 Minuten kam er wieder zu mir und teilte mir mit, dass das Spiel begonnen hätte und ich die Arme runternehmen könne. Ich stand immer noch wie angewurzelt mit Gänsehaut im Flutlicht und war geflasht fürs Leben. Seitdem habe ich kaum ein Spiel mehr verpasst.
Schönster Moment: Gewinn des DFB-Pokals am 19. Mai 2018 und dieser einmalige Tag in Berlin!
Größtes Drama: Das war Stand jetzt die Art und Weise des Kovac-Abgangs 2018. Aber heute würde ich doch als größtes Drama die Fansituation rund um Corona beschreiben. Ich verstehe nicht, warum die Fans aus der Stehkurve nicht zurückkommen und unsere Mannschaft unterstützen.
Größter Zukunftswunsch: Eine stabile Eintracht unter den Top Sechs der Bundesliga zu sehen. Und vielleicht sogar mal um eine Meisterschaft mitzuspielen.
Eintracht Frankfurt bedeutet für mich: Emotionen, Loyalität, Familie, soziales Engagement, Offenheit gegenüber anderen, No-Racism.
Geburtsort: Gießen, seit 1972 in Frankfurt lebend
Stammplatz: 29, Reihe 4, Platz 2
Stadiongänger seit: 1975
Wie infiziert? Am 22. November 1975, dem 15. Spieltag der Bundesliga Saison 1975/76: SGE gegen Bayern, Endergebnis 6:0. Das war das erste Spiel, an das ich mich erinnern kann. Ich war neun Jahre alt und mit meinem Vater im Waldstadion. Grabowski, Hölzenbein und Nickel – mit einem direkt verwandelten Eckball – wurden sofort meine Helden. Seit diesem Tag war die Treue zu SGE alternativ- und bedingungslos. Langen Jahren der Spielbesuche mit meinem Vater folgte eine noch längere Zeit als Mitglied und Dauerkarteninhaber.
Schönster Moment: Eintracht Frankfurt gegen den SSV Reutlingen am 22. Mai 2003 (6:3). Selten hat die Plattitüde „wildfremde Menschen lagen sich weinend in den Armen“ besser gepasst. Schui nach Flanke von Henning Bürger, das war für mich der emotionalste Moment, auch wenn es noch den Übersteiger von Jan Aage Fjörtoft gab. Und natürlich die unendlichen Sekunden, als Mijat Gacinovic im Pokalfinale 2018 auf unsere Fankurve und das leere Tor zugelaufen kam.
Größtes Drama: Dass beim Auswärtsspiel in Lissabon 2019 der Adler, der unserem Attila eigentlich überlegen sein sollte, das Stadion in Richtung Meer verlassen hat. Ansonsten natürlich Rostock 1992.
Größter Zukunftswunsch: Weltfrieden, Corona besiegen und nächste Saison die Champions-League-Hymne hören.
Eintracht Frankfurt bedeutet für mich: Unfassbar viel! Wenn ich meine Rollen als Familienvater und selbstständiger Personalberater sehe sowie mein hohes Alter von 54 Jahren – dann kann ich selbst kaum glauben, was die Eintracht noch immer bei mir auslöst.
Geburtsort: Frankfurt am Main
Stammplatz: Block 1H, Reihe 7, Platz 9
Stadiongänger seit: 1995
Wie infiziert? Ein Arbeitskollege spielte früher für die SGE und mein Vater ging schon seit den 60er Jahren zu den Spielen der Eintracht, es wurde mir also in die Wiege gelegt. Am 4. November 1995 nahm er mich das erste Mal beim Heimspiel gegen den FC Bayern mit ins Stadion. An diesem Tag passte einfach alles: die Stimmung, das Spiel und das Ergebnis. 4:1 hieß es am Ende – seitdem bin ich glühender Fan.
Schönster Moment: 2018 war ich beim DFB-Pokal Finale live im Stadion. Das war definitiv der schönste Moment, den ich mit der Eintracht erleben durfte. Das verlorene Finale im Jahr davor machte den Titelgewinn noch einmal ein Stück weit wahnsinniger.
Größtes Drama: Der erste Abstieg, Saison 1995/96. Ich fing gerade an, meine Liebe zu diesem Verein aufzubauen und zu stärken, ehe wir plötzlich nicht mehr in der Bundesliga spielten. Die Bindung zur Eintracht hat dieses Ereignis allerdings nur noch mehr gestärkt – komme was wolle!
Größter Zukunftswunsch: Nie wieder etwas mit dem Abstieg tun zu haben und vielleicht einmal wieder die Meisterschale in die Luft zu strecken.
Eintracht bedeutet für mich: Eine Leidenschaft, die unter die Haut geht. Die Stadionbesuche mit meiner Frau und unseren Freunden sind das Schönste.