15.12.2020
Fanabteilung

Wachstum auf allen Ebenen

Am 11. Dezember feierte die Fanabteilung ihren 20. Geburtstag. Ein guter Anlass um auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurückzublicken. Teil 4 der Abteilungsgeschichte.

Der aktuelle Vorstand der Fanabteilung: Andreas Mechler, Stefan Ungänz (Abteilungsleiter), Frank Dann, Abida Reinhardt und Thomas Schuster.

Die Abteilung wuchs um mittlerweile zweieinhalb weitere festangestellte Mitarbeiter/innen. Neben den Jüngsten kümmerte sich die Abteilung jetzt auch um die älteren Jahrgänge Ü60, die Adler Classics, und bietet seither neben aufregenden Touren auch ein eigenes Kartenkontingent an. Ob 3D Schwarzlicht Minigolf, Kegelabende, Radtouren oder Wanderungen durch die Region auf dem Programm standen – die Teilnehmerplätze waren ruckzuck belegt. Weitere Neuerungen waren die Einführung von Walking Football, aber auch das Projekt „Fußballfans im Training“ gemeinsam mit der Fanbetreuung. Walking Football richtet sich an die Ü55-Generation. Trainiert wird die Gruppe von Patrick Falk, Cezary Tobollik und Caja Zohren. Und „Fußballfans im Training“ richtet sich an übergewichtige Eintrachtler. Unter der Federführung von Thomas Zampach lernen die Herren die vernünftige Balance zwischen Ernährung und Bewegung. Einem spezifischen Angebot für Frauen kam Corona in die Quere.

Die Mitgliederzahlen wuchsen rasant. Bereits 2015 konnte das 20.000ste Abteilungsmitglied begrüßt werden, darunter 5.000 Junior Adler. Nicht zuletzt der große sportliche Erfolg sorgte für ein ungeahntes Wachstum. Erst bangte die Eintracht um den Klassenerhalt, den sich die Adler 2016 in der nervenaufreibenden Relegation gegen Nürnberg sichern konnten. Ein Jahr später stand die Eintracht im Pokalfinale und unterlag nur knapp der Dortmunder Borussia, um wiederum ein Jahr später den fünften Pokalsieg der Geschichte zu realisieren. Auf dem Höhepunkt des Erfolges verließ der langjährige Büroleiter Thomas Nixdorf die Fanabteilung. Sein Nachfolger wurde etwas später Henning Schwarz, der dafür aus dem Vorstand ausschied. Seither fungiert Henning als Abteilungsgeschäftsführer und hatte gleich alle Hände voll zu tun.

Ob Rom, Mailand oder London

Der mit dem Pokalsieg verbundene Einzug in den Europapokal weckte ein gigantisches Interesse seitens der Fans. Nachdem zum Auswärtsspiel in Marseille keine Fans zugelassen waren, hoben zum ersten Auswärtsspiel mit Zuschauern gleich vier von der Abteilung gecharterte Flugzeuge Richtung Zypern ab. Fortan war bei jedem internationalen Spiel der Eintracht mindestens ein Flieger der Abteilung dabei. Und wenn es in die Nähe ging, wie beispielsweise nach Straßburg oder Vaduz, dann folgte der Mannschaft mindestens ein Bus für Mitglieder der Fanabteilung. Nur beim Auswärtsspiel in Guimaraes fand sich der Teufel im Detail. Der Anbieter hatte seine Maschine sowohl der Fanabteilung als auch dem Fanclubverband angeboten. Als das Problem augenscheinlich wurde, war guter Rat teuer. Letztlich teilten sich die Instanzen das Flugzeug – aber natürlich mussten etliche Fans die Reise nach Portugal kurzfristig auf eigene Faust organisieren.

Für viel Arbeit sorgte auch die überraschende Spielverlegung beim Auswärtsspiel in Salzburg. Auf die Schnelle mussten Unterkünfte organisiert und die Rückfahrt um einen Tag verschoben werden. Aber irgendwie hat dann doch alles geklappt. Bei allen Auswärtsspielen hatte die Abteilung gemeinsam mit der Fußball AG Kontakt zu vor Ort ansässigen Anwälten aufgenommen, um Mitgliedern bei Problemen und organisatorischen Fragen mit konkreter Hilfe unter die Arme greifen zu können. Die Mitgliedschaft in der Vereinigung FSE, Football Supporters Europe, hob auch die organisatorische Struktur auf eine internationale Ebene. National stießen die sich häufenden Montagsspiele auf erbitterte Kritik seitens der Fans und Mitglieder der Eintracht.

Zusätzlich organisierte die Abteilung bei den Auswärtsspielen in München, Berlin und Hamburg spezielle Abende für die Mitglieder vor Ort. In ausgesuchten Locations standen aus dem Präsidium Stefan Minden, Peter Fischer und Axel Hellmann Rede und Antwort – in Berlin gelang es zudem, Axel Kruse zu verpflichten, der aus seinem bewegten Leben erzählte. Die Veranstaltungen stießen auf großes Interesse, weitere waren geplant, doch dann machte die Corona-Pandemie allen Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.

Auf der Abteilungsversammlung im Januar 2020 sah die Welt noch rosig aus, die Eintracht war in allen drei Wettbewerben vertreten und Abida Reinhardt wurde als Nachfolgerin für Henning Schwarz in den Vorstand gewählt. Am Horizont sah es so aus, als könne der Gesamtverein noch in diesem Jahr die 100.000 Marke knacken, die Fanabteilung konnte auf 70.000 Mitglieder zählen. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass die Fanabteilung auch ihrem Förderauftrag des Breiten- und Spitzensports innerhalb des Vereins mehr als nachkommen konnte.

Fragt man Abteilungsleiter Stefan Ungänz nach den wesentlichen Aspekten der vergangenen Jahre, fällt ihm in erster Linie eine Facette ein, die in der Öffentlichkeit eine untergeordnete Rolle spielt, die aber sowohl vereinsintern als auch extern eine zentrale Rolle spielt: die Gremienarbeit. „Wir sind in den entscheidenden Vereinsgremien vertreten und uns wird zugehört. Das heißt, die Fans haben eine Stimme in den Gremien. Das war nicht immer so. Und das ist eine historische Chance, gleichwohl auch einzigartig bei der Eintracht. Wir können schon im Vorfeld innerhalb des Vereins kritische Themen besprechen, Sachverhalte erläutern, Konsequenzen benennen und durch Überzeugungsarbeit Konflikten vorbeugen. Von dieser Arbeit bekommt nur kaum jemand etwas mit. Das Ergebnis aber ist umso wichtiger.“

Mit Engagement durch die Pandemie

Auch in Zeiten der Pandemie blieb die Abteilung nicht untätig. Auf ihr Konto ging die Initiative „in Eintracht helfen“. Sie rief die Fans dazu auf, lokale Unternehmen oder Kultureinrichtungen zu unterstützen: Denn so wie die Eintracht zu Frankfurt gehört, gehören Restaurants, Bars, Läden und Institutionen zu unserem bunten Stadtbild.

Für ältere Vereinsmitglieder wurde ein Einkaufsservice organisiert und gemeinsam mit der Fußball AG Gelder für Institutionen wie die Frankfurter Tafel gesammelt. Und solange die Pandemie anhält, solange wird die Fanabteilung auch in dieser Hinsicht aktiv bleiben. Natürlich hoffen alle, dass sich das Leben wie auch der Fußball so schnell wie möglich wieder normalisiert. Wir wären nicht die Eintracht, wenn wir nicht auch diese Situation gemeinsam meistern würden.

Natürlich kann ein Rückblick auf wenigen Seiten nicht der 20-jährigen Geschichte einer Abteilung gerecht werden, nicht den handelnden Personen, nicht deren Engagement. Den vielen Ehrenamtlern, die Busse betreut und für Mitglieder geworben haben, den Pauschalisten, die die Abteilung auf vielen Veranstaltungen repräsentierten. Und natürlich ist eine 20-jährige Geschichte auch gespickt mit Enttäuschungen, mit Fehlern, mit versandeten Hoffnungen und Verlust. Das weiß auch Stefan Ungänz: „Es ist unglaublich schwierig, alle unter einen Hut zu bekommen – den Hardcore-Fan in der Kurve, den Gegentribünenbesucher, die Mitglieder von der Haupttribüne. Eigentlich kann man nicht allen Ansprüchen gerecht werden, aber bei allen wesentlichen Sachthemen versuchen wir, unsere Position darzustellen und dabei einen für möglichst alle tragfähigen Konsens zu erreichen“. 

Wenn wir Bilanz ziehen, dann stellen wir fest, dass heute Verein, aber auch Fußball AG auf sicheren Füßen stehen. Dass die Verzahnung beider Organisationen so weit vorangeschritten ist wie noch nie seit Gründung der Fußball AG. Dass die Fanszene der Eintracht bei allen wichtigen Themen an einem Strang zieht. Dennoch ist es auch weiterhin von großer Bedeutung, der Entwicklung des Fußballs kritisch zu begegnen, der Kreativität der Fankultur weiterhin den Raum zu geben, der so mühsam erkämpft wurde. Aber auch den Fußball bezahlbar zu halten, für Stehplätze zu sorgen und die Fans nicht als Kunden, sondern auch in Zukunft als integrativen Bestandteil des Fußballs anzuerkennen.

Noch lange nicht müde

Zumal auch jetzt wieder die Fanabteilung in die „Initiative Stadionausbau“ integriert ist und den kommenden Umbau des Stadions gemeinsam mit dem Fanclubverband und den Ultras gewinnbringend begleitet, für bezahlbare Stehplätze plädiert – auch, um dem Nachwuchs die Chance zu geben, kostengünstig die Eintracht vor Ort zu verfolgen. Gerade in Zeiten, in denen Gesellschaften ins Schlingern geraten, die großen Themen spalten statt einen, ist es unabdingbar Haltung zu zeigen, Werte zu vertreten, zu denen sich die Eintracht aber auch die Fanabteilung bekennt. Gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, gegen Homophobie und für Diversität. Das ist auch für Stefan Ungänz ein zentraler Punkt: „Wir haben bei der Eintracht Sportler aus beinahe 100 Nationen – und alle sind stolz, das Trikot der Eintracht zu tragen. Dazu kommen die unterschiedlichsten Fans. Der Verein hat eine unglaubliche integrative Kraft. Wo gibt es das sonst noch in der Gesellschaft? Das ist eine große Leistung für die Stadt und die Region, eigentlich unbezahlbar. Und es macht mich auch ein bisschen stolz. Es zählt für alle nur die Eintracht!“

Viele Hoffnungen und Vorstellungen der Gründerväter der Fanabteilung haben sich erfüllt und bewahrheitet. Aus der abgewirtschafteten und von einem fremden Investor übernommenen Eintracht ist ein starker basisgeführter Verein geworden, dessen klare Haltung zu gesellschaftlichen und sportpolitischen Fragen bundesweit vorbildlich ist. Die Verankerung der Fankultur im Vereinsleben hat entscheidend zu jener Wucht und Leidenschaft beigetragen, mit der Eintracht-Fans jeden Auftritt daheim wie auswärts prägen und für die wir mittlerweile europaweit berühmt sind. Wir sind gespannt, wie es weiter geht. Auf die nächsten 20 Jahre!

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